Krank gespart!

Ein Aufruf unserer Genoss_innen der Gruppe Gruppe N.N. zur Unterstützung der „Solidarischen Kliniken“ in Griechenland. Auch wir drücken an dieser Stelle unsere Solidarität mit den kämpfenden Menschen in Griechenland aus und unterstützen den Aufruf. Die ausführliche Version findet ihr hier als PDF und hier als Faltblatt-Kopiervorlage

Der Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung in Griechenland und die Selbstorganisation in Social Clinics of Solidarity

In Griechenland ist unter dem Druck der Spardiktate das Gesundheitssystem zusammengebrochen. Die Troika aus Vertreter_innen der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds hat durchgesetzt, dass alle sozialstaatlichen Leistungen, inklusive Krankenversicherung, zwölf Monate nach Verlust des Arbeitsplatzes einzustellen sind. Die steigende Zahl arbeitsloser Menschen ist daher ein sicherer Indikator für die zu erwartenden gesundheitlichen Belastungen der Bevölkerung.

Offiziell sind rund 30 Prozent der Bevölkerung in Griechenland nicht mehr krankenversichert1. Inoffizielle Schätzungen gehen davon aus, dass nahezu jede Zweite mittlerweile aus der Absicherung herausgefallen ist. Wer nicht krankenversichert ist, muss die Kosten einer Behandlung vor Ort in bar bezahlen, oder aber das Geld wird am Ende des Jahres über die Steuer eingezogen.

Dabei haben die immer neuen Sparrunden und Strukturanpassungen bereits zu gesundheitlichen Katastrophen geführt. In Griechenland ist die Suizidrate um 45 Prozent gestiegen, HIV-Infektionen haben um 52 Prozent zugenommen, 26.000 Gesundheitsarbeiter_innnen, inklusive 9.100 Ärzt_innen, haben ihre Arbeit verloren, Gelder für psychosoziale Versorgung sind um 45 Prozent gekürzt worden.

Um dennoch eine Behandlung der Armen und Nicht-mehr-Versicherten gewährleisten zu können, sind in ganz Griechenland Social Clinics of Solidarity (SCS) entstanden, in denen Ärzt_innen und Pfleger_innen ehrenamtlich arbeiten. Diese Basisinitiativen alternativer Versorgung leisten nicht nur direkte Hilfe, sondern sind Orte des Widerstands gegen Sparpolitik und Rassismus. Die SCS kritisieren, dass immer mehr staatliche Krankenhäuser geschlossen werden. Die in den Solidarischen Kliniken organisierten Menschen kämpfen für die Wiederherstellung einer kostenlosen öffentlichen Gesundheitsversorgung als grundlegendstes und nicht verhandelbares Recht, welches allen Menschen kostenlos zusteht, unabhängig von ökonomischem Status oder Beschäftigungsstatus, legalen Papieren 2, Religion, Nationalität, sexueller Orientierung, Gender oder Alter.

Für den Fortbestand der solidarischen Kliniken sind diese dringend auf Geld-, Material und Medikamentenspenden angewiesen. Es kann nicht bei der Erkenntnis bleiben, dass Deutschland eine hegemoniale Rolle bei der europäischen “Krisenbewältigung” bzw. dem neoliberalen Fitmachen Europas für den globalen Wettbewerb eingenommen hat. Unsere Kritik an der Deutschen Härte gegenüber den südeuropäischen Ländern, insbesondere Griechenland, wollen wir mit praktischer Solidarität und der Unterstützung emanzipatorischer Organisierung kombinieren.

Wir rufen Euch daher dazu auf, Geld zu spenden. Sammelt Geld, organisiert Soli-Tresen, Soli-Konzerte, Soli-Parties… Informiert Euch und andere, leitet den Aufruf weiter.

Therefore we state clearly and loudly that ourselves, we are “illegal” constantly
and we are waiting for them.
We are “illegal” for the last 2 years for having supported more than 10.000
uninsured patients by providing health services and medications without asking
from anyone their permission.
We are “illegal” because we do so without money.
We are “illegal” because we oblige only to the code of medical
We are “illegal” because we are accountable only to our consciousness, our
patients and the society.
We are “illegal” because we fight against to humiliation and
We are “illegal” because we believe that Health is a major social good and not
a commodity.

Those last actions, reminding of totalitarian regimes, clearly demonstrate that
the red line is crossed.
They want to eliminate hope.
They want to destroy everything that keeps us united.
They hate life.
They will face us all, volunteers, patients, civilians, in the opposite side.
We will defend life and dignity.
We will fight against death.
Solidarity ist our weapon.3

Spenden können auf das folgende Konto überwiesen werden:
Kosmotique e.V.
GLS Gemeinschaftsbank e.G.
BLZ 430 609 67
Kto-Nr. 113 036 0500
IBAN: DE83 4306 0967 1130 3605 00
BIC: GENODEM1GLS
Kennwort: Solidarische Kliniken

Barspenden können dienstags zwischen 21 und 23 Uhr oder mittwochs zwischen 20 und 23 Uhr hier abgegeben werden:

Kosmotique, Martin-Luther-Str. 13, 01099 Dresden.

Kontakt: betreiber_innen[at]kosmotique.org

  1. Medico-Rundschreiben[zurück]
  2. Zur Situation von Asylsuchenden in Griechenland, die 1. keinerlei Versorgung durch den griechischen Staat erfahren und 2. Polizeigewalt
    und Gewalt durch rassistische Schläger_innen der neofaschistischen
    Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) schutzlos ausgeliefert sind:

    “Into the Fire – The Hidden Victims of Austerity in Greece”, Regie: Kate Mara 2013

    Official homepage

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  3. Zitat aus der Presseerklärung der Social Clinics of Solidarity zum Polizeieinsatz in den Kliniken. [zurück]